Virtuelle GNSS-Referenzstationen mit WaV2

Netze von GNSS-Referenzstationen, wie sie z.B. im Rahmen von SAPOS durch die deutschen Landesvermessungsämter aufgebaut worden sind, weisen Punktabstände von 30 bis 50 km auf. Für cm-genaue relative Positionsbestimmung sind somit die Abstände vom Neupunkt zur nächstgelegenen Referenzstation vielfach zu groß, um mit kurzen Beobachtungszeiten auszukommen. Man ist gezwungen, eine temporäre Referenzstation im Messgebiet einzurichten, die ins Referenzstationsnetz eingerechnet wird und als Referenzempfänger für die lokalen Messungen dient.

Mit dem Einsatz von virtuellen GNSS-Referenzstationen kann auf den Betrieb temporärer Referenzstationen im Messgebiet verzichtet werden. Die Beobachtungsdaten einer virtuellen Referenzstation werden aus den Beobachtungen der umliegenden realen Referenzstation berechnet. Dabei ist die Position der virtuellen Station innerhalb der Netzschleife frei wählbar. Der Abstand zu den Neupunkten sollte wenige Kilometer nicht übersteigen. In der Praxis wird vielfach eine virtuelle Station pro lokalem Messgebiet und Arbeitstag erzeugt.
 

Neupunktbestimmung mit virtueller Referenzstation

Die Neupunkte werden anschließend basislinienweise an die virtuelle Referenzstation angehängt. Ihre Koordinaten liegen dann im selben Bezugssystem (z.B. ETRS 89) vor, in dem auch die Koordinaten der realen Referenzstationen bestimmt worden waren.

WaV2 berechnet aus den Beobachtungsdaten von mindestens drei realen Referenzstationen die Beobachtungen von virtuellen Referenzstationen, deren Positionen innerhalb der Netzschleife frei gewählt werden kann. Die Beobachtungen werden im RINEX-Format ausgegeben und können somit in allen gängigen Auswerteprogrammen weiterverarbeitet werden (z.B. mit Wa2).

Für großräumige kinematische Anwendungen muss sich die virtuelle Referenzstation an die sich aufgrund der Nutzerbewegung verändernden Fehlereinflüsse anpassen. Gleichzeitig muss sie aber auch statisch auf eine Position bezogen sein, um für Auswerteprogramme als Referenzdaten verwendbar zu bleiben. Dies gelingt mit einer semi-kinematischen virtuellen Referenzstation, bei der die sich verändernden Nutzerkoordinaten berücksichtigt werden.


WaSoft.de, 14.11.14